Seltene Erden und Co.: Den Tigern die Zähne zeigen

Montag, 21.03.2011, veröffentlicht unter "Rohstoffeinkauf" auf www.einkaufsmanager.net
Wer als Einkäufer im Oktober vergangenen Jahres allzu sehr auf die neu gegründete Rohstoffagentur des Bundeswirtschaftsministeriums gesetzt hatte, dürfte inzwischen ziemlich enttäuscht sein. Damals verkündete Minister Brüderle: "Die neue Agentur ist ein wichtiges Element der nationalen Rohstoffstrategie, die eine konkrete Unterstützung für die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen darstellt."
Doch schon kurz darauf dämpfte das Kanzleramt alle Hoffnungen auf eine härtere Gangart gegenüber China. "Das Aufkaufen von Rohstoffen ist in Deutschland nicht Staatsangelegenheit, sondern Sache der Unternehmen", hieß es Mitte Dezember.

David gegen Goliath
Aber gerade hier denken die Politiker in Berlin falsch. Einzelunternehmen können es niemals mit staatlich gepäppelten Rohstoffagenturen vom Schlage eines chinesischen State Reserve Bureau (SRB) aufnehmen. Selbst die gewieftesten Einkaufs- und Unternehmensstrategien laufen ins Leere, wenn sie nicht von handelspolitischen Absicherungen flankiert werden.

Aufgaben, die eindeutig die politischen Entscheidungsträger übernehmen müssen. Im nationalen Interesse müssen sie faire Regelungen für einen fairen Rohstoffzugang auf Regierungsebene mit den entsprechenden Export- und Lieferantenländern aushandeln!

Neues Rohstofflager der EU
Dass es in Sachen Ressourcen kurz vor 12 ist, scheint auch den Brüsseler EU-Kommissaren zu dämmern. Seit dem Jahreswechsel tauchen vor allem in den belgischen und französischen Medien immer häufiger Meldungen auf, die Union plane, ein EU-Lager für Seltene Erden bzw. Sondermetalle einzurichten. Aus ihm könnten sich dann alle Mitgliedstaaten bedienen, um ihre nationalen Unternehmen mit den lebenswichtigen Rohstoffen zu versorgen.

Im Vorfeld dieses EU-Rohstofflagers, so die Medien weiter, werde in Brüssel laut darüber nachgedacht, europäische Umweltschutzregeln zu entschärfen, um die Förderung von Sondermetallen in der Union zu erleichtern. Gleichzeitig solle die Entwicklung neuer Recycling-Technologien gefördert werden, die die Lieferabhängigkeit verringern könnten.

Beachten Sie: Als politischen Hebel will die EU Zollerleichterungen einsetzen. Für Länder, die den Export von Sondermetallen einschränken, sollen sie komplett wegfallen. In Planung haben die Kommissare außerdem, Recyclingverfahren in der Union massiv zu fördern und die Liste der wichtigsten Seltenen Erden alle 5 Jahre zu überarbeiten und neu zu bewerten.
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Über den „Einkaufsmanager”
Jens Holtmann
Jens Holtmann
Chefredakteur
„Einkaufsmanager”
Jens Holtmann ist anerkannter Spezialist für professionellen Einkauf und Leiter der Einkäufer-Akademie. Er entwickelt seit 1993 praxistaugliche Erfolgskonzepte für den Einkauf in allen Branchen und Firmengrößen.
Für mich als stellvertretender Einkaufsleiter sind die praxisnahen und umsetzbaren Tipps das Wichtigste beim „Einkaufsmanager”: Vor einigen Ausgaben gab es zum Beispiel einen Artikel über Allgemeinkosten. Daraufhin haben wir uns mit den entsprechenden Dienstleistern in Verbindung gesetzt und von den Tipps des „Einkaufsmanager” reichlich profitiert. Diese wertvollen Informationen haben sich für uns im wahrsten Sinne des Wortes ausgezahlt.
Dirk Fritzsche, Paul Vahle GmbH KG, Kamen
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