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Moderne Führungspraxis: Scheuen Sie keinen Konflikt

veröffentlicht am 16.03.2011
Einkaufsmanager/-innen müssen konfliktfähig sein
Das gibt es doch nicht, da muss unser Leisetreter doch reagieren, aber an den Kollegen A traut sich unser Chef wieder mal nicht ran“. Als Folge könnten raffinierte Mitarbeiter diese offensichtliche Führungsschwäche für sich ausnutzen.

Eine konfliktfähige Führungskraft benötigt die folgenden Grundeigenschaften:
  • keine Scheu vor Auseinandersetzungen und davor, die Dinge beim Namen zu nennen,
  • gesunde Selbstsicherheit, Durchsetzungsstärke, Selbstbehauptung und Streitfähigkeit,
  • gesunder Menschenverstand,
  • realistische Wahrnehmung des jeweiligen Eskalationsgrades,
  • Empathie,
  • die Fähigkeit zur gemeinsam akzeptierten Konsensfindung.

Praxisdialog

So nicht:

MA1:„Hallo, Herr Tollmann.“

TO: „Hallo, Frau MA1, was gibt ...?“

MA1:
(unterbricht) „Es kann so nicht weitergehen. Ich komme aus dem Urlaub zurück und finde wieder mal ein Chaos auf meinem Schreibtisch vor. Viele Dinge sind unerledigt, und die, die angefangen wurden, sind nicht komplett und vor allem mangelhaft ausgeführt. Es gibt schon einige Beschwerden von Kollegen und eilige Rückfragen von Lieferanten.“

MA2:
„Jaja, Mädchen, das ist wieder die übliche Unzufriedenheit so kurz nach dem Urlaub. Das kennen wir ja. Aber das renkt sich alles wieder ein. Alles halb so wild.“

TO:
„Na gut, dann hätten wir es ja. Also dann, frohes Schaffen ...“

MA1:
„Moment, so einfach geht das nicht. Ich sehe nicht ein, dass ich jetzt intern und extern Probleme deswegen bekomme.“

TO:
„Ja, jetzt schauen Sie erst mal. Das wird schon, macht das bitte unter euch aus.“

MA2:
„Genau. Ich denke das auch.“

MA1:
„Ich gebe es auf, Herr Tollmann, Sie als unser Chef müssen da doch reagieren, weil ich sonst nicht weiterkomme.“

TO:
„Wir haben das doch jetzt geklärt, und eure Privatfehden macht ihr bitte untereinander aus.“

Besser so:

TO: „Hallo, Frau MA1 und Herr MA2. Ich habe gemerkt, dass es zwischen Ihnen beiden in der Gruppe momentan nicht harmoniert, und habe daher um dieses Gespräch gebeten, um zu erfahren, woran das liegt und wie wir das Problem lösen ...“

MA1:
(unterbricht) „Es kann so nicht weitergehen. Ich komme aus dem Urlaub zurück und finde wieder mal ein Chaos auf meinem Schreibtisch vor. Viele Dinge sind unerledigt, und die, die angefangen wurden, sind nicht komplett und vor allem mangelhaft ausgeführt. Es gibt schon einige Beschwerden von Kollegen und eilige Rückfragen von Lieferanten.“

MA2:
„Jaja, Mädchen, das ist wieder die übliche Unzufriedenheit so kurz nach dem Urlaub. Das kennen wir ja. Aber das renkt sich alles wieder ein. Alles halb so wild.“

TO:
„Moment bitte, Herr MA2, bitte nicht noch einmal so respektlos, das dulde ich in meiner Abteilung nicht.“

MA2:
„Ja, aber Herr Tollmann, als Chef müssen Sie da doch eingreifen, Sie können das doch nicht so stehen lassen, was die Kollegin da sagt.“

TO:
(Blick wird strenger) „Herr MA2, wann ich wie eingreife, überlassen Sie bitte mir. Habe ich mich da deutlich ausgedrückt?“

MA2:
„Okay.“

TO:
„So, Frau MA1. Was genau ist wirklich schiefgelaufen während Ihres Urlaubs?“

MA1:
„Also, die Liefertermine und die Auftragsbestätigungen wurden nicht nachgehakt, Bestellungen wurden nicht zeitgerecht erfasst, die Ablage wurde nicht vorgenommen, und mein Projekt XY wurde nicht weitergeführt.“

TO:
„Herr MA2, was sagen Sie dazu?“

MA2:
„Das ist natürlich übertrieben.“

TO:
„Moment, Herr MA2, bitte etwas konkreter. Haben Sie Sie die Vertretung ordnungsgemäß durchgeführt oder nicht?“

MA2:
„Ich kann doch im Rahmen einer Vertretung nicht auch noch die Ablage und ein Projekt, das in der Urlaubszeit ruhig mal ruhen kann, bearbeiten.“

TO:
„Da gebe ich Ihnen Recht. Aber Ihre aktive Stellvertretung bei den operativen Abläufen wie Bestellungen, Auftragsbestätigungen und Lieferterminen läuft wohl alles andere als normal. Hierin muss von Ihnen zukünftig sichergestellt werden, dass eine Verbesserung eintritt. Das erwarte ich von Ihnen ganz klar.“

MA1:
(wird lauter und ungehaltener) „Und die Ablage und die Projekte, muss ich so was alles nachholen, das kann doch nicht sein.“

TO:
„Frau MA1, bitte nicht so laut, ich bevorzuge es, dass wir hier in einem ruhigen und sachlichen Ton miteinander sprechen, okay? Ich denke, dass Ihr Anspruch an eine passive Stellvertretung über das Ziel hinausschießt. Im Rahmen einer normalen Urlaubsvertretung können nicht zusätzlich noch Dinge erledigt werden, die bis zu einer Rückkehr ruhen können. Was jedoch die Erledigungen im Tagesgeschäft angeht, stimme ich Ihnen eindeutig zu. Gut, damit wir zukünftig eine reibungslose Stellvertretungsregelung haben, erwarte ich daher, dass wir 3 uns vor der nächsten anstehenden Urlaubsvertretung zusammensetzen und einen kurzen Vertretungsplan aufsetzen und vereinbaren, der von Ihnen beiden eingehalten werden muss. Nach der jeweiligen Rückkehr aus dem Urlaub gleichen wir die Erledigungen kurz ab. Einverstanden?“

MA1:
„Ja.“

MA2:
„Okay.“

Autor: Hans-Christian Seidel,
CSEI-Consulting,
Kontakt: seidel@csei-consulting.de
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