Kaufen oder nicht kaufen? Das fragen sich neben Börsenhändlern natürlich auch Rohstoffeinkäufer/-innen ständig. Vor ein paar Monaten machte in den Fachmedien für Beschaffung ein "Indikatorenset zur Bewertung optimaler Kaufzeitpunkte" die Runde.
In der
Pressemitteilung der Inverto AG hieß es dazu: "Gerade in materialintensiven Branchen wie dem Metallbau oder der Verpackungsindustrie wirkt sich das erheblich auf das Unternehmensergebnis aus. Einkäufer müssen deshalb in kürzester Zeit den besten Zeitpunkt für den Kauf bewerten und entscheiden. Das geht nur durch eine realistische Einschätzung des erwarteten Preistrends. Häufig verlassen sich Einkäufer dabei auf Erfahrungswerte oder einzelne Vorhersageinstrumente.
Mathematische Prognosemodelle und Chartanalysen sind eine wichtige zusätzliche Orientierungshilfe. […] Autoregressive Methoden wie das 2003 mit dem Nobelpreis ausgezeichnete GARCH-Verfahren sowie SETAR oder ARIMA liefern hier die besten Ergebnisse bei der Preisentwicklung."
Was ist davon zu halten? Sind diese Methoden die Lösung für zuverlässige Vorhersagen? Das meint Jens Holtmann, Chefredakteur des Fachinformationsdienstes
Einkaufsmanager, dazu:
Keine Glaskugel für die Rohstoff-Märkte
Beim
Handel an den (Rohstoff-)Börsen geht es um
Wahrscheinlichkeiten. Niemand kann die Kurse verlässlich vorhersagen. Auch prämierte statistische Methoden leisten das nicht.
Der Wunsch nach Sicherheit ist zwar menschlich und verständlich, an den Börsen gibt es diese aber nicht. Die extreme Volatilität (Schwankungsfreudigkeit der Kurse) in den letzten Jahren zeigt das deutlich.
Im Einkauf müssen
Kauf-, Kontrakt- und Absicherungsentscheidungen getroffen werden. Das beste und zeitsparendste Werkzeug beim Rohstoffeinkauf ist immer noch die Chartanalyse. Selbst auf diesem Gebiet gibt es viele verschiedene Methoden. Ein Chart ist ein Chart. Er spiegelt immer die aktuelle und vergangene Wahrheit eines Marktes wider.
Beachten Sie: Es gibt auch andere Darstellungsmöglichkeiten, beispielsweise Kerzen- oder Liniencharts und einige andere.
Kauf- und Verkaufssignale am Chart ablesen
Hinter jedem Kursstab im Chart stehen die Käufe und Verkäufe der unterschiedlichsten Marktakteure. Die so entstehenden Chartmuster lassen natürlich Interpretationen zu und geben Hinweise, wie sich Käufer und Verkäufer verhalten.
So entstehen, je nach Auslegung der Chartformationen, Kauf- und Verkaufssignale, wie sie von zahlreichen Trading-Diensten zu Zwecken der Spekulation veröffentlicht werden.
Könnten Einkaufsabteilungen diese Ein- und Ausstiegssignale für ihre Zwecke nutzen? Grundsätzlich ja, allerdings gibt es einige Besonderheiten zu beachten. In einer der nächsten Ausgabe lesen Sie mehr dazu.