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Global Sourcing: Löhne in China steigen

veröffentlicht am 17.10.2011
Das Riesenreich ist nicht nur bei Wachstum und Entwicklung auf der Überholspur, sondern auch bei den Löhnen. Von 2007 bis 2010 stiegen die chinesischen Lohnkosten um knapp 13 % - so viel wie nirgendwo sonst in Asien. In Indien waren es nur bescheidene 2,5 %.
Dennoch ist - und bleibt - die Volksrepublik China für viele deutsche Unternehmen einer der wichtigsten Beschaffungsmärkte. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es einen idealeren Mix aus qualifizierten Arbeitskräften, (noch) niedrigen Lohnkosten, guter Infrastruktur und einer breiten Lieferantenpalette, so Jens Holtmann, Chefredakteur des Informationsdienstes Einkaufsmanager.

Löhne werden zum Politikum

Besonders in der südchinesischen Provinz Guangdong im Perlflussdelta, wo sich die Liefer- und Exportfirmen konzentrieren, sind die Löhne in den vergangenen 10 Jahren rasant gestiegen. Lagen sie 2001 durchschnittlich noch bei unter 45 US$ pro Monat, erreichten sie Ende 2009 schon über 250 US$.

Selbst die Krise konnte diese Entwicklung nur kurz verlangsamen, nicht aber stoppen wie in anderen asiatischen Ländern (Malaysia: 0,1 %, Republik Korea: 0,8 %, Japan: 1,1 % oder Indonesien: 2,5 %). Löhne sind aber nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine politische Größe. Im Frühjahr 2010 wurde das Perlflussdelta, das Aushängeschild der chinesischen Wirtschaft, von einer Reihe von Skandalen erschüttert.

Aus Protest gegen ihre unzureichende Bezahlung stürzten sich mehrere Angestellte des taiwanesischen Elektronikkonzerns Foxconn vom Dach des Fabrikgebäudes in den Tod. Zeitgleich streikten Mitarbeiter von Honda und Toyota wegen schlechter Bezahlung. Das Ergebnis: Alle 3 Unternehmen erhöhten die Löhne kräftig.

Beachten Sie:
Die Streiks bei Honda und Toyota waren bis dato die ersten in der Boomgeschichte der Volksrepublik.

Fachkräfte sind Mangelware

Zwar gibt es im Land noch immer ein Heer preiswerter ungelernter Arbeiter, aber nur noch in den inneren Provinzen Chinas. In den Wirtschaftszentren entlang der Küste sind alle Gehälter deutlich gestiegen. Doch die Volksrepublik hat nicht nur einen überdurchschnittlichen Rohstoffhunger, sondern auch einen außerordentlichen Fachkräftehunger.

Gut ausgebildete Spezialisten sind dort (wie auch in den westlichen Industriestaaten) inzwischen Mangelware. Allerdings entspricht der Ausbildungsstandard der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge in China in der Regel nicht den westeuropäischen oder nordamerikanischen Hochschulen und Universitäten.

Hier eine Übersicht der Bruttomonatslöhne in US$ (Durchschnitt 2006, Shanghai)

  • mittleres Management bis 22.900
  • Vertriebsleiter 2.450 - 7.370
  • Ingenieur 500 - 1.200
  • IT-Manager 600 - 3.350
  • Facharbeiter 290 - 540
  • Hilfsarbeiter 110 - 200
Beachten Sie: Die 5 Jahre alten Zahlen sind einer unsicheren Datenlage geschuldet. Nicht nur in China, beinahe in ganz Asien ist selbst regierungsamtlichen Angaben nicht immer zu trauen, wie die Reaktorkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 leider gezeigt hat.

Chinesische Gesellschaft im Wandel, Ansprüche steigen

Mit dem Wandel und der durchgreifenden Modernisierung der chinesischen Wirtschaft haben sich aber auch die Chinesen selbst gewandelt - vor allem die jungen. Während die 1. Generation der Wanderarbeiter quasi in verdeckter Leibeigenschaft noch rund um die Uhr schuftete und einen Großteil ihres Lohns sparte, um sich damit eine Existenz in ihrer Heimatprovinz aufzubauen, erwartet die 2. Generation wesentlich mehr vom Leben.

Auch sind die meist jungen Frauen und Männer zwischen 20 und 30 Jahre immer weniger bereit, gleich neben der Fabrik in werkseigenen 8- oder 10-Bett-Zimmern zu hausen. Immer offener verlangen sie bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. Und sie bekommen sie auch immer häufiger geliefert!

Unternehmen, die heute junge hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit Mopeds und Fernsehapparaten, ja mit klimatisierten Appartements locken, sind zumindest in den Boomzentren des Südens keine Seltenheit mehr.

Betriebe ziehen nach Kambodscha oder Vietnam

Aber auch bei den Industriebetrieben gibt es einen Generationenwechsel: Da viele Unternehmen besonders im Perlflussdelta mit den ständig steigenden Fertigungskosten nicht mehr Schritt halten können, wandern sie ins Hinterland ab oder gleich ins billigere Kambodscha und das aufstrebende Vietnam.

Den Anfang machten die klassischen Branchen der Leichtindustrie (Bekleidung, Plastikspielzeug, einfache Haushalts- und Unterhaltungselektronik). Heute aber sehen sich selbst Hightech-Hersteller nach kostengünstigeren Standorten um. Vor gut einem Jahr gab beispielsweise Foxconn (Produzent des iPad von Apple) bekannt, die meisten seiner Fabriken in Guangzhou zu schließen und komplett neue Produktionsanlagen in der Provinz Henan (Ostchina) zu errichten.

Peking bleibt gelassen

Andere Großbetriebe haben ähnliche Pläne in der Pipeline. Panik herrscht deswegen aber keineswegs in den Regierungsetage in Peking. Im Gegenteil: Partei und Regierung unterstützen diesen wirtschaftlichen Umschichtungsprozess. Mehr noch, Peking plant, die Mindestlöhne jährlich um mindestens 20 % anzuheben.

Bis 2015 sollen sie sich dann gegenüber 2010 verdoppelt haben. Für Shenzhen/Hongkong wären das rund 540 US$ im Monat. Beschaffungskosten also, mit denen Global Sourcer in 4 bis 5 Jahren unbedingt zu rechnen haben.
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