War 2010 bereits ein Rekordjahr der globalen Edelstahlproduktion, so werden 2011 die Höchstmarken noch einmal übertroffen (+8,3 %). Aber nicht in den traditionellen Erzeugerländern wie Europa, den USA oder Japan wurde und wird so viel Edelstahl geschmolzen, sondern in Indien und besonders in China.
Während im Westen die Produktion stagniert, geben die Stahlkocher dort weiter kräftig Gas. Jens Holtmann, Chefredakteur des Fachinformationsdienstes
Einkaufsmanager zu den Hintergründen und aktuellen Entwicklungen:
Stahl-Gigant China
Allein in China wird für 2011 mit einem Gesamtausstoß von 13,2 Mio. Tonnen Edelstahl gerechnet (+17 %). Den Einkaufspreisen tun diese Materialmengen mehr als gut. Die Notierungen für Edelstahl fallen nämlich auf ganzer Breite. Das Auf und Ab der Nickelpreise veranschaulicht diese Entwicklung sehr gut.
Mit über 70 % ist die Edelstahlindustrie der größte Abnehmer von Nickel. Bei Chrom, dem zweitwichtigsten Legierungsstoff, sieht der Preissturz ganz ähnlich aus: von knapp 3.100 US$/t Ende Februar 2011 auf unter 2.600 US$/t Ende August.
Die Einkäufer erwartet ein ruhiges Herbstgeschäft
Vor allem 6 Indizien sprechen für eine entspannte Geschäftslage im 4. Quartal:
- besagte Materialberge in Asien,
- beträchtliche Überkapazitäten auch in den europäischen Edelstahlhütten,
- die niedrigen Notierungen der Zuschlagstoffe,
- günstige und vor allem reichlich vorhandene Importangebote (besonders indische Anbieter drängen verstärkt auf den deutschen Markt),
- eine insgesamt verhaltene Edelstahlnachfrage vor allem seitens der Automobilhersteller wegen der Staatsschuldenkrisen in der EU und in den USA,
- weiter rückläufige Wachstumsraten im Euroraum.
Mit Preisen von 1.300 €/t bis 1.350 €/t dürfte es am Edelstahlmarkt im Kriechgang weitergehen. Durchgreifende Veränderungen sind vor dem 1. Quartal 2012 nicht zu erwarten.
Für Einkäufer eine komfortable Lage, können sie sich doch bei den anstehenden Verhandlungen nicht nur Zeit lassen, sondern sich auch aussuchen, mit wem sie sich an einen Tisch setzen.