Warenmuster zollfrei einführen:Unter bestimmten Voraussetzungen müssen Sie für Proben Ihres Lieferanten keinen Cent bezahlen

Dienstag, 16.06.2009, veröffentlicht unter "Globaler Einkauf" auf www.einkaufsmanager.net
Das Verschicken von Mustern und Warenproben ist ein fester Bestandteil des heutigen Wirtschaftslebens. Nicht nur Einkäufer, sondern auch Handelsvertreter und Verkäufer können ohne sie nicht effektiv arbeiten. Der Zoll spricht dabei von einem „Repräsentationscharakter in Bezug auf die Waren, die anschließend Gegenstand des Einfuhrvertrages werden sollen. Dabei muss der primäre Werbeeffekt, der zu einem Vertragsabschluss führen soll, erkennbar sein“ (Artikel 91 Abs. 1 und 2 Zollbefreiungsverordnung).

Der Informationsdienst „Rohstoffeinkauf aktuell” meint: Die oben genannte Verordnung
erspart Ihnen nicht nur die Zollgebühren, sondern auch die Einfuhrumsatzsteuer!
Zoll

Die Ausnahmen von der Regel

Beachten müssen Sie aber, dass bei einigen Warenmustern und -proben sich die Verbrauchsteuerfreiheit auf bestimmte Höchstmengen beschränkt:
  • Alkoholische Getränke nach den TARIC-Warenbezeichnungen 2204 und 2205 der Kombinierten Nomenklatur mit einem Alkoholgehalt von mehr als 22 Vol.-% sowie alkoholische Zubereitungen und Getränke des TARIC-Codes 2208 mit Ausnahme der Untercodes 2208-9091 und 2208-9099. Hier darf die Gesamtmenge 1,0 Liter nicht überschreiten;
  • Getränke des TARIC-Codes 2204 und 2205 mit einem Alkoholgehalt bis zu 22 Vol.-% und der Position 2206 mit maximal 0,5 Liter.
  • Mineralöl auf Mengen bis zu insgesamt 5 kg.

Näheres unter: http://ec.europa.eu/taxation_customs .

„Free sample“ reicht nicht

Die Zollbürokratie hat allen Einkäufern einen weiteren Stolperstein in den Weg gelegt. Demnach kann ein Nicht- EU-Lieferant seine Muster nicht einfach als „Free sample“ auf die Reise schicken. Hier sind die Zöllner recht pingelig. Sie wollen ohne viel Prüferei auf den ersten Blick erkennen, dass es sich bei der Sendung um Muster und nichts weiter handelt. Was die Menge der Proben betrifft, hält sich die Zollverordnung mit den Worten: „Von den Waren kann die Menge eingeführt werden, die für die Prüfung durch den Kunden erforderlich ist“, recht bedeckt.

Praxis-Tipp

Um sich Scherereien zu ersparen, fragen Sie im Zweifelsfall bei Ihrem zuständigen Zollamt nach.

Problemlos akzeptiert (eine plausible Prüfmenge vorausgesetzt) werden vom Zoll:
  • einzelne Exemplare der späteren Exportprodukte (z. B. Textilien),
  • maßstabs- und funktionsgetreue Modelle (z. B. Maschinen),
  • Waren in ungebräuchlichen Handelsverpackungen (z. B. Zigaretten in einer 5er-Packung).

Auch auf den Wert kommt es an

Für die Zollbefreiung spielt neben der Menge auch der Warenwert eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich gilt:
Vom Zoll befreit werden nur Waren mit einem geringen Wert. Gemeint sind damit:
  • ursprünglich hochwertige Produkte (z. B. Designerhosen), die durch Zerreißen, Lochen, Stempeln u. Ä. geringerwertig oder unbrauchbar gemacht werden.
  • Waren bis zu einer Menge von 5 Mustern oder Proben und mit einem Warenwert bis zu max. 50 €.

Beachten Sie 1.: Transportkosten werden bei der Wertermittlung nicht berücksichtigt. Selbst wenn Sie Ihre Proben per Overnight-Service von Schanghai haben einfliegen lassen.

Beachten Sie 2.: Unterschiedliche Qualitäten, Farben, Feinheitsgrade, Güteklassen oder andere handelsübliche Unterschiede gelten immer als verschiedene Warengruppen - nicht aber Größenunterschiede!

Praxis-Beispiel

Sie legen dem Zoll 4 Hosen derselben Modellreihe mit einem Stückwert von jeweils 35 € in den Farben Rot, Schwarz, Weiß und Braun vor. Nach Recht und Gesetz werden die 4 Hosen als 4 unterschiedliche Warengruppen eingestuft. D. h., für jedes einzelne Stück können Sie die Wertobergrenze von 50 € in Anspruch nehmen.

Legen Sie dem Zoll aber 4 Hosen derselben Modellreihe mit einem Stückwert von jeweils 35 € in 4 unterschiedlichen Konfektionsgrößen vor (z. B. S, M, L oder XL), deklarieren sie die Beamten als eine Warengruppe mit einem Gesamtwert von 140 €! Im Klartext heißt das: Sie können nur 1 Hose als Warenmuster zollfrei einführen

Nur auf Antrag

Wie bei einer kompletten Lieferung aus dem Ausland, müssen auch Warenmuster „ordnungsgemäß zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr bei der zuständigen Zollstelle angemeldet werden“. Der Papierkram hält sich dabei aber in Grenzen. Die schriftliche Zollanmeldung ist mit 4 Seiten erledigt (Exemplare 6 und 8 des Einheitspapiers, Formular 0737). Kommt eine Zollbefreiung als Warenmuster nicht in Betracht, können in einigen Fällen Zollpräferenzen zur Zollfreiheit führen. Erkundigen Sie sich in diesem Fall bei Ihrem Zollamt.

Will Ihr Nicht-EU-Lieferant seine Warenmuster wieder zurückhaben, verwenden Sie dafür ein im Ausland ausgestelltes Carnet A.T.A.

Weitere Tipps zum Sparen von Zollgebühren

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Über den „Einkaufsmanager”
Jens Holtmann
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Chefredakteur
„Einkaufsmanager”
Jens Holtmann ist anerkannter Spezialist für professionellen Einkauf und Leiter der Einkäufer-Akademie. Er entwickelt seit 1993 praxistaugliche Erfolgskonzepte für den Einkauf in allen Branchen und Firmengrößen.
Das Einmalige am „Einkaufsmanager” ist für mich die Praxisnähe: Die Dinge werden sehr anschaulich dargestellt, sind leicht zu verstehen und in der Praxis direkt umsetzbar. In meinem Arbeitsalltag möchte ich den „Einkaufsmanager” nicht mehr missen.
Roberto Brandi, Selit-Tec Dämmsysteme GmbH, Erbes-Büdesheim
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