Global Sourcing: Schützen Sie sich vor Reinfällen

Donnerstag, 19.05.2011, veröffentlicht unter "Globaler Einkauf" auf www.einkaufsmanager.net
Keine Frage, das Asiengeschäft ist nach wie vor - auch für deutsche Mittelständler - lukrativ und bietet viele Vorzüge, vor allem Kostenvorteile. Keine Frage aber auch: Das Asiengeschäft ist schwierig.
Der Markt hat sich gewendet
Hatten vor Jahresfrist noch Einkäufer das Sagen, sind es heute quer durch alle Branchen (Investitions- und Konsumgüter, Chemie, Metalle sowie überhaupt alle Rohstoffe) wieder Verkäufer und Lieferanten.

Gerade in Zeiten knapper und teurer werdender Ressourcen ist ein strategisches Vorgehen notwendiger denn je. Denn einkaufen ist wie surfen.

Während man strategisch die Lage beobachtet und auf den großen Brecher wartet (den richtigen Zeitpunkt zum Vertragsabschluss), kann man taktisch durchaus die eine oder andere kleine Welle mitnehmen - sprich: Zubehörteile, Nickel, Kohle oder Stahl zu einem günstigen Tagespreis einkaufen.

Beachten Sie:
Strategische Sicherungsinstrumente bei börsennotierten Rohstoffen sind z. B. das Hedging bzw. der Einkauf auf Terminkontrakte. Der Einkauf muss sich damit beschäftigen.

Einkaufsmanagement ist Risikomanagement
Aktives, vorausschauendes Agieren ist hier das Stichwort und nicht passives Re-Agieren. Ganz nach dem Motto: Wer heute vorsorgt, wird morgen der Gewinner sein. Wichtige Bestandteile eines solchen Risikomanagements sind:
  • fortlaufende Analysen des innerbetrieblichen Verbrauchs (direkt und indirekt),
  • Austausch teurer Materialien durch billigere mit gleichen Qualitätsparametern bis hin zur kompletten Substitution,
  • Zwischenhändler ausschalten,
  • Lieferketten optimieren (Transport- und Lagerhaltungskosten senken),
  • Lieferanten zu Partnern machen,
  • Kooperationen mit Import-Dienstleistern,
  • Kooperationen mit anderen Unternehmen, um gemeinsame Infrastrukturen zu nutzen sowie Marktmacht und Auftragsvolumina zu erhöhen,
  • Vertragsarten überprüfen (Jahres-, Quartals- oder Monatsverträge),
  • eigene Kunden an Preisausschlägen beteiligen.
Praxis-Tipp: Suchen Sie sich im Einkaufsland lokale Partner, die vor Ort ständig relevante Märkte beobachten. Eine gute Empfehlung ist es auch, in Asien nur Produkte mit einer hohen Wertschöpfungstiefe oder mit besonders großen Stückzahlen einzukaufen.

Bei reinen Automatenprodukten wie Dreh- oder Stanzteilen ist eine Anfrage selten sinnvoll. Im Gegenteil: In den fernöstlichen Betrieben werkeln oft veraltete Maschinen mit geringem Effizienzgrad vor sich hin, sodass sich die einstmals kalkulierten Kostenvorteile schnell in ihr Gegenteil verwandeln können.

So fragen Sie bei asiatischen Lieferanten richtig an
Neulinge auf dem asiatischen Beschaffungsmarkt übersehen häufig, dass es noch immer erhebliche Unterschiede in den Qualitätsstandards gibt - vor allem in Relation zu den Preisen!

Entgegen allgemeiner Annahme liegen die Beschaffungspreise vieler Rohmaterialien (z. B. Stähle und Bleche), die europäischen Qualitätsstandards entsprechen, in Asien meist höher als in Deutschland!

Ganz ähnlich sieht es bei vielen Kunststofferzeugnissen aus (hier bieten Lieferanten aus Mittel- und Osteuropa meist bessere Angebote).

Zu den 3 Qualitätsstandards einer Anfrageaktion in Asien gehören:
  1. Fassen Sie Anfragen immer in englischer Sprache ab.
  2. Soweit notwendig, übersetzen Sie auch Zeichnungen, Pläne u. Ä. ins Englische.
  3. Da DIN-Normen in Asien unbekannt sind, müssen Sie sie in international verständliche Normen umschreiben (lassen).
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Über den „Einkaufsmanager”
Jens Holtmann
Jens Holtmann
Chefredakteur
„Einkaufsmanager”
Jens Holtmann ist anerkannter Spezialist für professionellen Einkauf und Leiter der Einkäufer-Akademie. Er entwickelt seit 1993 praxistaugliche Erfolgskonzepte für den Einkauf in allen Branchen und Firmengrößen.
Das Einmalige am „Einkaufsmanager” ist für mich die Praxisnähe: Die Dinge werden sehr anschaulich dargestellt, sind leicht zu verstehen und in der Praxis direkt umsetzbar. In meinem Arbeitsalltag möchte ich den „Einkaufsmanager” nicht mehr missen.
Roberto Brandi, Selit-Tec Dämmsysteme GmbH, Erbes-Büdesheim
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