Unternehmen, die auf Produkte und Waren von extern angewiesen sind, besorgen diese natürlich nicht im Einzelhandel, sondern kaufen die benötigten Güter kostengünstiger im Großhandel.
Der Großhandel bietet beim Einkauf den Unternehmen zahlreiche Vorteile, denn die Waren können im Vergleich zum Einzelhandel nicht nur deutlich günstiger angeboten werden, sondern auch problemlos in größeren Mengen. Stellt man sich den Großhandel allerdings einfach nur als einen überdimensional großen Supermarkt vor, wird diese Vorstellung der Sache nicht gerecht.
Denn der Großhandel ist viel mehr. Was der Großhandel für Einkauf und Handel genau bedeutet, erfahren Sie hier.
Großhändler gibt es in fast allen Bereichen und Branchen. Ob Rohstoffe, Maschinen, betriebliche Ausstattung, sowie Lebensmittel zum Verkauf oder zum eigenen Verzehr – auf Waren von Extern ist fast jedes Unternehmen angewiesen.
Dabei ist der Einkauf im Großhandel ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens. Denn nur wenn es einem Unternehmen gelingt, die Kosten für den Einkauf so gering wie möglich zu halten, kann es Profit erarbeiten. Großhändler können ihre waren so günstig anbieten, weil sie als wichtiges Bindeglied zwischen Erzeugern und Verbrauchern fungieren. Der Großhandel übernimmt dabei die Aufgabe, die Ware vom Produzenten an Unternehmen weiterzuverkaufen.
Der Erzeuger kann so seine Kosten senken, sein Risiko mit dem Großhändler teilen und meist einen größeren Markt erschließen. Wenn ein Erzeugerunternehmen zum Beispiel ein Produkt in einer Stückzahl von 15.000 produziert, kann es die Produkte in Teilmengen an verschiedene Großhändler verkaufen. Diese bieten die Produkte Einzel- und Zwischenhändlern zum Verkauf an. Die wiederum nutzen das Produkt entweder zum eigenen Gebrauch oder veräußern sie dem Endkunden.
Mit Hilfe des Großhandels kann der Erzeuger so große Mengen produzieren und dennoch ohne großen Aufwand letztlich mehr Endverbraucher erreichen. Die Herstellung von großen Stückzahlen senkt die Produktionskosten, was sich wiederum positiv auf die Kosten für den Einkauf im Großhandel auswirkt.
Doch im Großhandel darf nicht jeder seinen Einkauf tätigen. Privatpersonen sind von vornerein ausgeschlossen. Großhändler fordern in der Regel einen Nachweis über ein angemeldetes Gewerbe oder einen registrierten Handel. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, denn der Verkauf an Privatkunden würde die günstigen Preise drücken, weil die geringeren Kaufmengen mehr Arbeit bei weniger Umsatz für die Großhändler bedeuten.
Neben dem Nachweis über die gewerbliche Tätigkeit erwarten viele Großhändler von potentiellen Handelspartnern eine Voranfrage. Aus der Anfrage sollte hervorgehen, welcher geschäftlichen Tätigkeit das Unternehmen nachgeht und welche gewünschten Mengen der Großhändler voraussichtlich zu erwarten hat. Nur so kann der Großhandel den Einkauf planen und kalkulieren.
Der deutsche Großhandel (rund 92.000 Betriebe, knapp 1,2 Mio. Beschäftigte) erzielte 2006 einen Umsatz in Höhe von rund 700 Mrd. Euro. Hiervon entfielen knapp 34 % auf Rohstoffe und Halbwaren, 12 % auf Maschinen und Ausrüstungen sowie gut 5 % auf landwirtschaftliche Grundstoffe.
Da diese 3 Sparten im Wesentlichen Güter für die industrielle Verarbeitung bereitstellen, fasst man sie auch zum so genannten Produktionsverbindungshandel zusammen. Dieser bekommt konjunkturelle Schwankungen tendenziell stärker zu spüren als der Konsumgütergroßhandel, der hauptsächlich Vorleistungen für den Einzelhandel und die Gastronomie erbringt. Der Großhandel Einkauf unterlegt daher weniger starken Preisschwankungen.
In den letzten 10 Jahren verzeichnete insbesondere der Großhandel mit Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör eine überdurchschnittliche Entwicklung. Er verdankt sein Umsatzplus zum Großteil dem Auf- und Ausbau des Angebots von technischen Dienstleistungen für die Nachfrager aus Industrie und Handwerk. Die typischen Funktionen des Großhandels (Sortimentsbildung, Distribution, Marketing, Lagerhaltung, Kreditgewährung, Beratung, Transport) sind im Zuge des technischen Fortschritts zunehmend im Wandel begriffen. Davon wird natürlich auch der Großhandel Einkauf beeinflusst.
Inzwischen betreffen bereits 85 % des stark expandierenden elektronischen Handels (E-Commerce) Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen (B2B) und damit die typischen Aktivitäten des Großhandels. Insofern ist einerseits davon auszugehen, dass E-Commerce die Tendenz zur Umgehung des Großhandels fördert. Andererseits eröffnet E-Commerce dem Großhandel aber auch eine Fülle von Möglichkeiten, um die eigene Wettbewerbsposition durch Optimierung der Beschaffung und des Absatzes zu verbessern.
Unserer Einschätzung nach dürfte E-Commerce mittel- bis längerfristig eher dazu beitragen, die Stellung des Großhandels in der Warendistribution zu stärken. Demnach erscheint die Prognose des Ifo-Instituts, wonach der reale Umsatz des Großhandels in den nächsten 10 Jahren durchschnittlich um gut 2 % pro Jahr zunehmen soll, durchaus realistisch. Welche Folgen genau E-Commerce auf den Großhandel Einkauf hat, wird die Zeit zeigen.
Die Ertragskraft des Großhandels hat sich im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Die Kosten für Vorleistungen und Steuern erreichten einen Anteil von knapp 10,5 % an der Gesamtleistung. Zieht man von dieser Rohertragsquote den Personalkostenanteil von gut 6,5 % ab, verbleibt zur Deckung der sonstigen Kosten ein Anteil von gut 3,5 % der Gesamtleistung. Die Deckungsbeitragsquote hat sich in den Jahren 2003 bis 2006 kaum verändert.
Die Umsatzrendite des Großhandels bewegt sich seit einigen Jahren um den Wert 2,5 %. Die Umsatzrendite wird gemessen als der nach Abzug von Abschreibungen und Zinsaufwand vom Deckungsbeitrag verbleibende Gewinn (EBT) bezogen auf den Umsatz. Zwischen den einzelnen Fachsparten des Großhandels unterscheiden sich die Rohertragsquoten zum Teil beträchtlich, was sich auch auf den Großhandel Einkauf auswirkt.
Sie sind relativ hoch in den Sparten "Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör" sowie "Gebrauchsgüter und Verbrauchsgüter". Unterdurchschnittliche Rohertragsquoten erzielt vor allem der Großhandel mit landwirtschaftlichen Grundstoffen und lebenden Tieren. Allerdings ist in jenen Sparten, in denen die Rohertragsquoten relativ hoch sind, häufig auch die Kostenspanne (Anteil der Gesamtkosten am Umsatz) überdurchschnittlich hoch.
Außerdem nimmt die Höhe der Rohertragsquote
mit zunehmender Unternehmensgröße
deutlich ab. Grundsätzlich
ist die Ertragskraft des Großhandels in
hohem Maße abhängig von der Entwicklung
der Personalkosten, auf die etwa
40 % der Handlungskosten entfallen.
Ein weiterer bedeutender Kostenblock
sind die Aufwendungen für "bezogene
Leistungen und andere betriebliche Aufwendungen",
die je nach Größenklasse
der Unternehmen Anteile zwischen 30
und 40 % der gesamten Handlungskosten
erreichen. Generell kommt in dieser
Position, die auch die Logistikkosten enthält,
die Bedeutung zum Ausdruck, die
das Outsourcing für den Großhandel heute
schon hat.
Besonders hoch ist dieser
Kostenblock im Großhandel mit Gebrauchs-
und Verbrauchsgütern.
Beachten Sie: Für 2007 wird angesichts
der absehbaren kräftigen Umsatzsteigerung
ein spürbarer Anstieg der Umsatzrendite
und der Erträge erwartet.
In Zukunft dürfte sich der starke Wettbewerbsdruck im Großhandel vor allem aus 2 Gründen noch verschärfen:
Aus den sich verschärfenden Wettbewerbsbedingungen ergeben sich für den Großhandel 2 Konsequenzen:
Das Wachstum im Produktionsverbindungshandel
bei Umsatz und Ertrag wird
auch 2007 überdurchschnittlich sein. Besonders
stark gestiegen sind die Verkaufspreise
im Segment der Rohstoffe
und Vorprodukte, zu dem auch der Großhandel
mit festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen
sowie der Großhandel
mit Erzen, Eisen, Stahl, NE-Metallen
und Halbzeug zählen.
Bleibt die Konjunktur
in Deutschland und weltweit auf
kräftigem Wachstumskurs, dann wird
auch 2008 ein gutes Jahr.
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