Preisentwicklung

Behalten Sie die Preisentwicklung immer im Auge. Preiserhöhungen gehören z.B. im Rahmen der Inflation zum täglichen Geschäft des Einkaufsmanagers. Ihre Aufgabe ist es, die übertriebenen und unnötigen Erhöhungen abzuwenden.

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Warum Tariferhöhungen nicht automatisch zu höheren Preisen führen

Insbesondere um die Jahreswende herum suchen Lieferanten erneut krampfhaft nach Argumenten für jährliche Preiserhöhungsforderungen, wodurch die Preisentwicklung nach oben gehen würde.
Es ist merkwürdig, dass

  1. sich viele Ihrer Lieferanten einmal im Jahr bei Ihnen melden und aufgrund von angeblichen Kostenerhöhungen die Verkaufspreise erhöhen wollen,
  2. Ihre Lieferanten immer nur Kostenerhöhungen an Sie herantragen und weitergeben müssen, aber anscheinend so gut wie nie Kostensenkungen erfahren, die eine für Sie positive Preisentwicklung zu Folge hätten.

Das sind Indizien dafür, dass einige Lieferanten regelmäßig mit den Pseudo- Argumenten einer vermeintlichen Kostenerhöhung den eigenen Gewinn steigern wollen.
Würden die Unternehmen tatsächlich nur eigene Kostenerhöhungen weitergeben und würde das zu 100 % gelingen, stiegen die Unternehmensgewinne nicht oder deutlich geringer an und die Preisentwicklung bliebe länger stabil. Warum haben denn zum Beispiel Lieferanten von Stahl und Gas so gewaltige Gewinnsteigerungen und wer bezahlt diese?

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Lieferanten-Argument: Tariflohnerhöhung

Wegen der Rohstoffsituation haben die meisten Lieferanten auf der Suche nach Argumenten, um den Kunden ihre Verkaufspreis- und Gewinnerhöhungen 'zu verkaufen' und hohe Einkaufspreise zu begründen, leichtes Spiel. In den nächsten Monaten stehen wieder Tarifverhandlungen an, und damit erhalten Lieferanten eine weitere Möglichkeit, Preiserhöhungswünsche zu begründen.

Aus 2 Gründen ist die Tariferhöhung eine äußerst beliebte Argumentation der Lieferanten:

  1. Sie ist unstrittig.
  2. Sie ist für die Kunden nachvollziehbar und betrifft diese oft selbst, so dass man vermeintlich im 'gleichen Boot' sitzt.

Beachten Sie: Es ist eine Tatsache, dass die Tariflohnerhöhung nicht die gesamten (absoluten) Lohnkosten des Unternehmens erhöhen und somit nicht automatisch die Preisentwicklung im Einkauf beinflussen muss.

1. "Trick"

Ihr Lieferant musste im letzten Jahr Mitarbeiter entlassen. Diese Information erhalten Sie natürlich nicht, wenn Sie mit dem Zulieferer gerade über seine Preiserhöhung verhandeln. Wichtig ist es daher, auch außerhalb der Verhandlungszeiten mit dem Lieferanten in Kontakt zu sein und von ihm wichtige Informationen zu erhalten.

Die Fragen: "Welche Rationalisierungs- / Effizienzsteigerungs- / Kostenreduzierungsprogramme laufen bei Ihnen?" bzw. "Wie hat sich die Anzahl der Mitarbeiter bei Ihnen entwickelt" können Ihnen - zur rechten Zeit gestellt - wertvolle Argumente liefern.

Der Lieferant schildert Ihnen nicht ohne Stolz, wie er sein Unternehmen wettbewerbsfähiger und damit auch für Sie attraktiver macht. Dabei ahnt er nicht, dass er Ihnen gleichzeitig sehr gute Argumente geliefert hat, um ein paar Monate später diese gegen seine eigene Forderung nach höheren Preisen zu verwenden und eine unvorteilhafte Preisentwicklung abzuwenden.

Denn selbst wenn seine Lohnkosten pro Mitarbeiter gestiegen sein sollten, so haben sich durch die getätigten Entlassungen oder einen Einstellungsstop seine Personalkosten insgesamt auf keinen Fall erhöht!

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht das: Wenn ein Unternehmen statt zuvor 100 Mitarbeitern nun nur noch 99 Mitarbeiter hat, so kann jeder einzelne dieser 99 Mitarbeiter 1,1% mehr Lohn beziehen und dennoch haben sich die absoluten (= gesamten) Personalkosten nicht erhöht! Aus Ihrer Sicht hat er sogar noch geringere Prozesskosten, da die Personalabteilung und die Lohnbuchhaltung weniger Aufwände haben!

Praxis-Tipp: Bei großen und zunehmenden auch mittleren und kleinen Lieferanten erhalten Sie Information über die Personalentwicklung aus Pressemitteilungen oder dem Internet, z. B. bei der Schließung von Werken oder Niederlassungen.

2. "Trick"

Ihr Lieferant hat seine Kapazitäten vergrößert, lässt diese aber nun in Billiglohnländern fertigen. Der Versuch ist nicht strafbar. Tatsache ist, dass bei verlängerten Werkbänken, Joint-Ventures oder tatsächlich bei einer eigenen Produktionsstätte die tatsächlichen durchschnittlichen Lohnkosten pro Mitarbeiter spürbar sinken. Die Lohnkosten in diesen Ländern betragen zwischen 5 % und 50 % der Lohnkosten in Deutschland.

Ein einfaches Rechenbeispiel macht es nachvollziehbar:
Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern beschäftigt zusätzlich 10 Mitarbeiter in Osteuropa. Dort erhalten die Mitarbeiter 50 % des durchschnittlichen deutschen Lohnes (also rund 17 € pro Stunde). Dadurch reduzieren sich diese Lohnkosten pro Mitarbeiter auf (100 x 100 % + 10 x 50 %) / 110 = 95,5 % => eine Senkung der Lohnkosten pro Mitarbeiter um 4,5 %.
Beachten Sie: Der Lieferant ist damit in der Lage, die Preisentwicklung in eine Richtung zu beeinflussen, in der Ihre Einkaufspreise sinken, ohne dass er seinen Gewinn reduziert.

Noch deutlicher wird das Beispiel, wenn dieses Unternehmen 12 Mitarbeitern in Deutschland kündigt und dafür 12 Mitarbeiter z.B. in Osteuropa mit 50 % des hiesigen Mitarbeiterlohns einstellt: Dann reduzieren sich seine gesamten Lohnkosten um ganze 6 %! Eine Tariflohnerhöhung kann dies nicht annähernd ausgleichen, geschweige denn die Lohnkosten bei gleicher Produktionskapazität sogar erhöhen.

3. "Trick"

Ihr Lieferant hat seine absoluten Lohnkosten gesenkt, indem er

  • die tarifliche Lohnerhöhung mit übertariflichen Zuschlägen verrechnet hat,
  • das Weihnachtsgeld für die Belegschaft streicht und/oder
  • das Urlaubsgeld kürzt oder streicht.

Auch beim Eintritt dieser beiden Fälle hat der Zulieferer keinen Grund die Preise mit der Begründung gestiegener Löhne anzuheben. Leider ist ein solcher unternehmerischer 'Schachzug' nicht immer offensichtlich zu erkennen..

2 Praxis-Tipps:

  1. Reden Sie mit Mitarbeitern aus der Produktion, die diesbezüglich durch ihre persönliche Betroffenheit am ehesten auskunftsbereit sind, wenn Sie sich sensibel nach deren 'Beitrag' zur Kostensenkung erkundigen.

  2. Bei Lieferantenbesuchen lohnt es sich immer, auch einen intensiven Blick auf die Schwarzen Bretter zu werfen - nicht nur wegen interner Reklamationsstatistiken, sondern auch wegen diversen Mitarbeiterinformationen bis hin zu Kostenreduzierungsmaßnahmen.

4. "Trick"

Ihr Lieferant hat durch eine Verlängerung der Arbeitszeit seiner Mitarbeiter ohne Lohnausgleich und/oder eine Kürzung der Urlaubstage kostenfreie Kapazitäten für sein Unternehmen geschaffen.

Insbesondere die Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 41 oder 42 Stunden ist derzeit in Deutschlands arbeitgeberfreundlichen Zeiten ein beliebtes Mittel zur effektiven Kostenreduzierung der Unternehmen (und somit auch Ihrer Zulieferer).

Ein weiteres einfaches Rechenbeispiel: Kann bei 70 % der Firmenbelegschaft eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 41 Stunden ohne Lohnausgleich durchgesetzt werden, bedeutet dies eine Erhöhung der Produktionskapazitäten um 5,5 %, ohne dass Ihren Lieferanten irgendwelche Kosten entsehen!

Auch hier gilt: Wenn Sie dies erfahren, ist das ein Grund für eine Preissenkung der Einkaufspreise und eine Preisentwicklung zu Ihren Gunsten.

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