Behalten Sie die Preisentwicklung immer im Auge. Preiserhöhungen gehören z.B. im Rahmen der Inflation zum täglichen Geschäft des Einkaufsmanagers. Ihre Aufgabe ist es, die übertriebenen und unnötigen Erhöhungen abzuwenden.
Insbesondere um
die Jahreswende herum suchen
Lieferanten erneut krampfhaft
nach Argumenten für jährliche Preiserhöhungsforderungen, wodurch die Preisentwicklung nach oben gehen würde.
Es ist merkwürdig,
dass
Das sind Indizien dafür, dass einige Lieferanten
regelmäßig mit den Pseudo-
Argumenten einer vermeintlichen Kostenerhöhung
den eigenen Gewinn steigern wollen.
Würden die Unternehmen tatsächlich
nur eigene Kostenerhöhungen weitergeben
und würde das zu 100 % gelingen,
stiegen die Unternehmensgewinne nicht
oder deutlich geringer an und die Preisentwicklung bliebe länger stabil. Warum haben
denn zum Beispiel Lieferanten von Stahl
und Gas so gewaltige Gewinnsteigerungen
und wer bezahlt diese?
Wegen der Rohstoffsituation haben die meisten Lieferanten
auf der Suche nach Argumenten, um
den Kunden ihre Verkaufspreis- und
Gewinnerhöhungen 'zu verkaufen' und hohe Einkaufspreise zu begründen, leichtes Spiel. In
den nächsten Monaten stehen wieder
Tarifverhandlungen an, und damit
erhalten Lieferanten eine weitere Möglichkeit,
Preiserhöhungswünsche zu
begründen.
Aus 2 Gründen ist die Tariferhöhung
eine äußerst beliebte Argumentation
der Lieferanten:
Beachten Sie: Es ist eine Tatsache, dass die Tariflohnerhöhung nicht die gesamten (absoluten) Lohnkosten des Unternehmens erhöhen und somit nicht automatisch die Preisentwicklung im Einkauf beinflussen muss.
Ihr Lieferant musste im letzten Jahr Mitarbeiter entlassen.
Diese Information erhalten Sie natürlich
nicht, wenn Sie mit dem Zulieferer
gerade über seine Preiserhöhung verhandeln.
Wichtig ist es daher, auch außerhalb der
Verhandlungszeiten mit dem Lieferanten
in Kontakt zu sein und von ihm wichtige
Informationen zu erhalten.
Die Fragen: "Welche Rationalisierungs-
/ Effizienzsteigerungs- / Kostenreduzierungsprogramme
laufen bei Ihnen?"
bzw. "Wie hat sich die Anzahl der Mitarbeiter
bei Ihnen entwickelt" können Ihnen -
zur rechten Zeit gestellt - wertvolle Argumente
liefern.
Der Lieferant schildert Ihnen nicht ohne Stolz, wie er sein Unternehmen
wettbewerbsfähiger und damit auch für
Sie attraktiver macht. Dabei ahnt er nicht,
dass er Ihnen gleichzeitig sehr gute Argumente geliefert
hat, um ein paar Monate später diese
gegen seine eigene Forderung nach höheren Preisen
zu verwenden und eine unvorteilhafte Preisentwicklung abzuwenden.
Denn selbst wenn seine Lohnkosten
pro Mitarbeiter gestiegen sein sollten, so
haben sich durch die getätigten Entlassungen oder einen Einstellungsstop
seine Personalkosten insgesamt auf keinen Fall
erhöht!
Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht das: Wenn ein Unternehmen statt zuvor 100 Mitarbeitern nun nur noch 99 Mitarbeiter hat, so kann jeder einzelne dieser 99 Mitarbeiter 1,1% mehr Lohn beziehen und dennoch haben sich die absoluten (= gesamten) Personalkosten nicht erhöht! Aus Ihrer Sicht hat er sogar noch geringere Prozesskosten, da die Personalabteilung und die Lohnbuchhaltung weniger Aufwände haben!
Praxis-Tipp: Bei großen und zunehmenden auch mittleren und kleinen Lieferanten erhalten Sie Information über die Personalentwicklung aus Pressemitteilungen oder dem Internet, z. B. bei der Schließung von Werken oder Niederlassungen.
Ihr Lieferant hat seine Kapazitäten vergrößert, lässt diese aber nun in Billiglohnländern fertigen. Der Versuch ist nicht strafbar. Tatsache ist, dass bei verlängerten Werkbänken, Joint-Ventures oder tatsächlich bei einer eigenen Produktionsstätte die tatsächlichen durchschnittlichen Lohnkosten pro Mitarbeiter spürbar sinken. Die Lohnkosten in diesen Ländern betragen zwischen 5 % und 50 % der Lohnkosten in Deutschland.
Ein einfaches Rechenbeispiel macht es nachvollziehbar:
Ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern
beschäftigt zusätzlich 10 Mitarbeiter in
Osteuropa. Dort erhalten die Mitarbeiter
50 % des durchschnittlichen deutschen
Lohnes (also rund 17 € pro Stunde).
Dadurch reduzieren sich diese Lohnkosten
pro Mitarbeiter auf (100 x 100 % +
10 x 50 %) / 110 = 95,5 % => eine Senkung
der Lohnkosten pro Mitarbeiter um
4,5 %.
Beachten Sie: Der Lieferant ist damit in
der Lage, die Preisentwicklung in eine Richtung zu beeinflussen, in der Ihre Einkaufspreise sinken, ohne dass er
seinen Gewinn reduziert.
Noch deutlicher wird das Beispiel, wenn dieses Unternehmen 12 Mitarbeitern in Deutschland kündigt und dafür 12 Mitarbeiter z.B. in Osteuropa mit 50 % des hiesigen Mitarbeiterlohns einstellt: Dann reduzieren sich seine gesamten Lohnkosten um ganze 6 %! Eine Tariflohnerhöhung kann dies nicht annähernd ausgleichen, geschweige denn die Lohnkosten bei gleicher Produktionskapazität sogar erhöhen.
Ihr Lieferant hat seine absoluten Lohnkosten gesenkt, indem er
Auch beim Eintritt dieser beiden Fälle hat der Zulieferer keinen Grund die Preise mit der Begründung gestiegener Löhne anzuheben. Leider ist ein solcher unternehmerischer 'Schachzug' nicht immer offensichtlich zu erkennen..
Ihr Lieferant hat durch eine Verlängerung
der Arbeitszeit seiner Mitarbeiter ohne Lohnausgleich
und/oder eine Kürzung der
Urlaubstage kostenfreie Kapazitäten
für sein Unternehmen geschaffen.
Insbesondere die Verlängerung der Wochenarbeitszeit
von 38 auf 41 oder 42
Stunden ist derzeit in Deutschlands
arbeitgeberfreundlichen Zeiten ein beliebtes
Mittel zur effektiven Kostenreduzierung
der Unternehmen (und somit
auch Ihrer Zulieferer).
Ein weiteres einfaches Rechenbeispiel:
Kann bei 70 % der Firmenbelegschaft eine
Erhöhung der Wochenarbeitszeit von
38 auf 41 Stunden ohne Lohnausgleich
durchgesetzt werden, bedeutet dies eine
Erhöhung der Produktionskapazitäten
um 5,5 %, ohne dass Ihren Lieferanten irgendwelche Kosten entsehen!
Auch hier gilt: Wenn Sie dies erfahren,
ist das ein Grund für eine Preissenkung der Einkaufspreise und eine Preisentwicklung zu Ihren Gunsten.
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