Einkaufsleiter
16 bewährte Praxis-Instrumente für
Einkaufsleiter
Das effektive Führen von Mitarbeitern ist eine stetige und täglich herausfordernde Aufgabe für junge, aber auch
für erfahrene Einkaufsleiter.
Umfassendes Führen bedeutet einen
ausgewogenen Mittelweg
zwischen den Zielen des Mitarbeiters,
des Unternehmens und den eigenen
Zielen zu finden.
Auch wenn man
auf Grund seiner persönlichen Veranlagung
keine Führungsqualitäten aufweisen
kann, ist es dennoch möglich, sich
sukzessive praxiserprobte Führungsqualitäten
anzueignen und diese anzuwenden.
Die Realität zeigt nämlich, dass
viele Einkaufsleiter mangels vorhandener
Führungsqualitäten oder aufgrund
zu sachlicher oder zu einseitig fachlicher
Orientierung in ihrem Team gescheitert
sind.
Wir stellen Ihnen 16 praxiserprobte
Führungsqualitäten im Bereich
Einkauf vor.
Ständig schnelles und situatives
Einstellen auf neue Sachverhalte
Geplagt von einer Vielzahl von täglich
neuen (Über-)Informationen per Telefon,
E-Mail und persönlichen Gesprächen,
muss sich ein Einkaufsleiter
zusätzlich ständig innerhalb kürzester
Zeit auf neue Probleme mit teils bedeutender
Tragweite einstellen und gemeinsam
mit den Mitarbeitern eine Lösung
finden.
Mitarbeitern Schwierigkeiten aus
dem Weg räumen
Bekommt ein Mitarbeiter auf Dauer keine
Hilfe vom Einkaufsleiter oder merkt er, dass
dieser ihn intern oder extern nicht gegen
Attacken unterstützen - also nicht
voll hinter ihm steht -, wird er sich
frustriert in die innere Emigration begeben.
Bereitschaft für Personalentwicklung
Finden Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern
deren Stärken und Schwächen
heraus. Vereinbaren Sie stets zusammen,
ob intern oder extern passende
Entwicklungsmaßnahmen ausgesucht
werden sollen oder ob Sie als Coach
fungieren können.
Informations- und Gesprächsbereitschaft
Informieren Sie Ihre Mitarbeiter ständig
und umfassend in persönlichen Gesprächen
über aktuelle Ereignisse in der
Firma und beziehen Sie die Mitarbeiter
frühzeitig in die daraus resultierenden
Konsequenzen mit ein.
Für den Fall, dass Ihre Leute ständig
wichtige Informationen nur von anderen
oder gar nicht bekommen, werden sie
auf Dauer verärgert, und es entsteht eine
gefährliche Gerüchteküche, die dem Einkaufsleiter seinen Job kosten kann.
Praxis-Tipp: Sprechen Sie mit Ihren
Mitarbeitern ruhig auch über private
Themen.
Erfahrenheit und Einschätzungsvermögen
Von Ihnen als Einkaufsleiter wird erwartet,
dass Sie mit Ihrer Lebens- und
Berufserfahrung einzelne Sachverhalte
richtig deuten können und Sie sich so
schnell nichts vormachen lassen. Wird
dieses mangelnde Einschätzungsvermögen
von Mitarbeitern bemerkt, so wird
es belächelt oder man wird dieses Defizit
sogar ausnutzen.
Fachliche und
methodische Qualitäten
Sie als Einkaufsleiter benötigen zur Bewältigung
Ihrer Aufgaben und bei der
Analyse von Problemen folgende vertiefte
fachliche Kenntnisse auf den Gebieten:
strategischer Einkauf, bereichsübergreifendes
Wissen, Einkaufscontrolling,
(Business-)Englisch, Produktwissen,
Schuldrecht, Betriebswirtschaft und
Methodenwissen. Dieses Wissen vermittelt
Ihnen Sicherheit und Selbstbewusstsein.
Das bedeutet nicht, dass Sie in jedem
Einkaufssachgebiet absolut vertieftes
Fachwissen haben müssen, denn dort
sind Ihre Mitarbeiter spezialisiert.
Kommunikative
Fähigkeiten
Offene, klare, ehrliche Kommunikation
und praktischer Einsatz von geeigneten
Kommunikationstechniken sind elementare
und unverzichtbare Bestandteile
Ihrer Führungstätigkeit. Dies erfordert:
Feedback geben, bei Unklarheiten
rückfragen, aktiv zuhören, Empathie
anwenden und Coaching.
Beachten Sie: Jede Kommunikation
wird auch automatisch durch die jeweilige
Beziehung beeinflusst, die Sie zu einem
Mitarbeiter haben.
Motivierende Fähigkeiten
Ihre motivierenden Fähigkeiten lassen
sich daran messen, inwieweit es Ihnen
gelingt, Visionen, kulturelle Wertvorstellungen
und Umfelder zu vermitteln, bei
welchen Ihre Mitarbeiter auch weiterhin
motiviert arbeiten und die Unternehmensziele
erreichen.
Beachten Sie: Als Einkaufsleiter können
Sie keine Motivation erzeugen, sondern
Sie können diese nur ermöglichen.
Sie müssen daher herausfinden, womit
Sie Ihre Mitarbeiter motivieren können.
Zu unterscheiden sind hierbei die intrinsische
(von innen heraus) und die extrinsische
Motivation (Anreize von außen,
z.B. das Gehalt). Neben dem Gehalt
sind andere Kriterien eher für eine wirksame
und anhaltende Motivation der
Mitarbeiter förderlich: vorhandene
Selbstständigkeit, lockeres Betriebsklima,
offener und vertrauensvoller Umgang,
interessante und herausfordernde
Tätigkeiten, Image der Firma, Standort
und Branche.
Delegationsverhalten
Beim Delegieren ist es wichtig, dass Einkaufsleiter
ganze Aufgaben verbunden mit einer Ergebnisverantwortung
an einen Mitarbeiter
vergeben. Diesen übertragenen
Handlungsspielraum müssen Sie dem
Mitarbeiter auch selbstständig zugestehen
und nicht dauernd eingreifen, denn
sonst erkennt dieser schnell, dass es sich
lediglich um eine Scheindelegation handelt.
Wichtig ist hierbei, eindeutig festzulegen,
welche Aufgaben Sie delegieren
können und welche Sie selbst erledigen
müssen. Keinesfalls darf der Mitarbeiter
überfordert werden.
Praxis-Tipp: Lassen Sie es nicht zu,
dass Ihnen die Aufgaben ständig zurückdelegiert
werden, da Sie nicht für alle
Probleme Ihres Mitarbeiters zuständig
sind und eine gewisse Selbstständigkeit
erwarten können.
10. Kontrollverhalten
Ohne Ergebnis- und Stichprobenkontrollen
kommen auch Sie als Einkaufsleiter
nicht aus, denn Sie werden in
Ihrem Bereich im Fall von Abweichungen
zur Verantwortung herangezogen.
Allerdings sollten Sie Ihre Kontrollen
auf Zwischenergebnisse bzw. auf Erledigung
hin beschränken. Vermeiden Sie
ständige oder gar Überraschungskontrollen,
da dies demotivierend wirkt. Geben
Sie Ihren Mitarbeitern einen Vertrauensvorschuss.
Praxis-Tipp: Loben Sie bei guten Ergebnissen
nicht zu oft, da sich sonst die
gewünschte Wirkung langsam abnutzt.
Ganzheitliche
Ergebnisorientierung
Eine einseitige Betrachtung von möglichen
einkaufsseitigen Verbesserungen
nur mit der Einkaufsbrille stellt für ein
Unternehmen nicht immer ein optimales
Ergebnis dar. Daher ist es besonders als
Einkaufsleiter wichtig, die
Auswirkungen von Verbesserungen
oder Veränderungen auf andere betroffene
interne Bereiche mit Hilfe von qualitativ
und quantitativ messbaren Ergebnissen
zu beurteilen.
Formulierung
von Zielen und
Erwartungen
Definieren und vereinbaren Sie mit
Ihren Mitarbeitern gemeinsam klare und
erreichbare Jahresziele in einem Mitarbeitergespräch. Keinesfalls sollten Sie
Ihren Mitarbeitern diese Ziele "aufzwängen".
Das demotiviert, und die Ziele
werden nicht erreicht. Zusätzlich sollten
Sie in Alltagsgesprächen Ihre Erwartungen
Ihren Mitarbeitern gegen über
klar äußern.
Beachten Sie: Sie als Einkaufsleiter
sind im beruflichen Alltag ständig konkurrierenden,
widersprüchlichen und
teilweise unvereinbaren Erwartungen
seitens der Mitarbeiter, Vorgesetzten und
Kollegen in Bezug auf Ihren eigenen Erwartungen
ausgesetzt. Sie müssen diese
Widersprüche so akzeptieren und versuchen,
sie situativ auszugleichen und damit
zu leben.
Konfliktfähigkeit
Als Einkaufsleiter können Sie es nicht
jedem recht machen. Daher dürfen Sie
Konflikte nicht aussitzen oder aufschieben
und Ihrem betroffenen Mitarbeiter
aus dem Wege gehen.
Bei unausweichlichem
Gesprächsbedarf dürfen Sie nicht
harmoniebedürftig sein und müssen die
strittigen Punkte direkt, diskret, zeitnah
und komplett in aller Deutlichkeit ansprechen.
Halten Sie bei solchen Gesprächen
immer direkten Blickkontakt
und schauen Sie nie zur Seite. Dies vermittelt
Schwäche und gibt dem Gesprächspartner
den Eindruck, dass Sie
nicht hinter Ihrer Position stehen.
Beachten Sie: Sie müssen die Fähigkeit
haben, Ihren Mitarbeitern auch unpopuläre
Entscheidungen zu kommunizieren
und zu begründen.
Typenbezogenes
Führen
Von der Persönlichkeit her sind Ihre
Mitarbeiter alle unterschiedlich, wie
z.B. introvertiert und extrovertiert, sachlich
und emotional, alt und jung, erfahren
und unerfahren. Alle diese Mitarbeiter
müssen unterschiedlich geführt werden.
Einem jungen Mitarbeiter sollten
Sie beispielsweise viel mehr über die
Schultern schauen als einem erfahrenen,
der bei zu viel Einmischung in die innere
Emigration gehen würde. Diese verschiedenen
Persönlichkeitseigenschaften
Ihrer Leute müssen Einkaufsleiter erkennen
und in Ihren Führungsalltag integrieren.
Soziale Kompetenz
Ein Führungsstil, der rein auf Fakten basiert
und die zwischenmenschlichen
Aspekte nicht mitberücksichtigt, ist nicht
mehr up to date, ganz zu schweigen von
der schwierigen Durchsetzbarkeit. Bei
Konflikten mit Ihren Mitarbeitern müssen
Sie ausgewogen reagieren und ständig
abwägen, inwieweit aufgrund von
Aussagen oder Verhaltensweisen wirklich
weiterer (auch disziplinarischer)
Handlungsbedarf besteht. Wenden Sie eine
Fehlerkultur an, die weitere Kreativität
nicht bremst und in der Fehler ruhig
einmal passieren dürfen. Allerdings muss
aus ihnen auch gelernt werden.
Entscheidungsfähigkeit
Ihre Vorgesetzten, aber auch Ihre Mitarbeiter
erwarten, dass von Ihnen zur weiteren
Bearbeitung Entscheidungen getroffen
werden. Dies müssen Sie auch
können. Vergessen Sie dabei aber nicht,
dass Sie mit Ihrer getroffenen Entscheidung
später auch in der Verantwortung
stehen. Um eine Entscheidung fundiert
treffen zu können, müssen Sie
Folgendes beachten:
- Stellen Sie eine aussagefähige Faktenlage
zusammen.
- Treffen Sie Entscheidungen nie
unnötig schnell oder unnötig langsam.
- Verschaffen Sie sich Kenntnisse über
mögliche Alternativen.
- Harmoniebedürftigkeit darf nie ein
Kriterium für Entscheidungen sein.
- Überlegen Sie, ob es eine noch einfachere
Lösung gibt.
- Treffen Sie nie eine vorschnelle und
majestätische Entscheidung, nur um
anderen zu beweisen, dass Sie der
Einkaufsleiter sind.
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